Kleider machen Leute
Gläser machen Bier

50 Jahre Exclusivgläser von Rastal

Die Idee ist so einfach wie einleuchtend: jedem Bier sein Glas. Und zwar nicht nur ein sortentypisches, sondern ein markenspezifisches. Denn Bier ist nicht gleich Bier. Schließlich erhebt jeder Brauer den Anspruch, dass sein Bier unverwechselbar ist, eben eine Marke, deren Charakteristisches und Einzigartiges es hervorzuheben gilt. Doch eine Marke sticht nur mit dem augenscheinlich perfekten Auftritt ins Auge. Und diesen perfekten Auftritt ermöglicht letzten Endes – nach Etikett, Flasche und Verpackung – ein eindeutig erkennbares Glas.

Dies ist der Gedanke hinter dem Exclusivglas-Konzept von Rastal, das in diesem Jahr sein 50. Jubiläum feiert. Obwohl das ursprünglich deutsche Exclusivglas-Konzept längst seinen weltweiten Siegeszug angetreten hat, wird es in keinem anderen Markt so augenfällig wie in Belgien. Jeder Bierliebhaber, der einmal eine echte belgische Biergastronomie besucht hat, schwärmt noch lange von der dort vorgefundenen Vielfalt. Ob bauchig, tailliert, länglich oder schmal, immer geben die Biergläser Zeugnis von einer großen Markenvielfalt und einer höchst lebendigen Bierkultur.

Vater des Exklusivglas-Gedankens, wenn man so möchte, war ein Doktorand, der ihn 1931 zu Papier brachte. Der Schlüsselsatz lautete: „Das Markenbier der Brauerei sollte in einem Markenglas zum Ausschank kommen.“ Pate stand der Volksmund. Denn der sagt: „Kleider machen Leute“ und „Man hat nur eine Chance für einen ersten Eindruck“. Viele Brauer gehen noch immer davon aus, dass ihr Erfolg vor allem der Qualität ihres Produktes zuzuschreiben ist. Doch längst gilt auch hier, was im Zwischenmenschlichen bewiesen ist: Form kommt vor Inhalt. Zumindest in der zeitlichen Abfolge. Wir werten und richten unsere Wahrnehmung selektiv nach unserem ersten Eindruck aus; möglicherweise bleiben wir an einem Detail hängen und „färben“ alle weiteren Wahrnehmungen entsprechend ein. Auf diese Weise lassen sich einmal gefasste Meinungen oft nur schwer wieder ausräumen. Die gute Nachricht ist: Nicht nur ein negativer, sondern auch ein positiver erster Eindruck kann entscheidend sein.

 
Bitburger

Das markenbewusste Konsumerlebnis

Genau darin liegt die Chance der Brauer: Gläser sind die visuelle Identität einer Biermarke und damit das ideale Instrument im Sinne der Differenzierung. Noch bevor sich der Konsument von der Qualität und vom Geschmack ihres Bieres überzeugen kann, fällt sein Blick auf das Glas. Überzeugt ihn der Anblick, steigert dies seine Lust auf das Bier. Angesichts der Wettbewerbssituation auf allen Biermärkten kann daher der erste Eindruck auch bei einem Bier entscheidend sein.

Erfolgreiche Winzer wissen dies seit langem. Ohne das richtige Glas bleibt ein Teil der Aromenfülle eines Weines unentdeckt oder geht auf der Strecke zwischen Glas und Nase verloren. Außerdem macht das Weintrinken aus guten Gläsern geschmacklich und visuell Freude.

Aus genau den gleichen Gründen plädiert Prof. Charlie Bamforth, der an der University of California Brauen und Mälzen lehrt, für das Servieren von Bier in Gläsern. Wer Bier aus der Flasche trinkt, sagt Prof. Bamforth, beraubt sich des Geschmackserlebnisses, da die Bieraromen größtenteils über die Nase wahrgenommen werden. Und er kann weder die Schaumkrone bewundern, noch das Produkt in Augenschein nehmen.

Nach unserer Designauffassung sollten bei einem Bierglas idealerweise Form, Inhalt und Funktion korrespondieren. Dies ist nicht zuletzt der Gastronomie geschuldet, in der alle Gläser den Praxistest bestehen müssen. Doch selbst nach 50 Jahren und Hunderten von Designs sind Formgebung und Gestaltungsmöglichkeiten noch längst nicht ausgereizt, auch wenn sich bestimmte Formen als nahezu perfekt erwiesen haben. Indem sie sich der Beliebigkeit entzogen und eine eigene Identität entwickelten, verdienten sie sich dauerhafte Würdigung.

Bestes Beispiel ist das Exclusivglas der Pilsmarke Bitburger, das seit fünf Jahrzehnten im Einsatz ist. Dass es die deutsche Bitburger Brauerei war, die sich als erste für ein Exclusivglas entschied, sollte nicht verwundern. Der oben erwähnte Doktorand war nämlich Theobald Simon und die Brauerei, auf die er sich bezog, war seine Bitburger Brauerei. Dass es 30 Jahre dauerte von der Idee bis zur Umsetzung ist der technischen Realisierbarkeit geschuldet. Erst Anfang der 1960er Jahre wurde es möglich, hochwertige Gläser auch maschinell zu fertigen. Damit gelang es große Stückzahlen zu vertretbaren Kosten herzustellen.

Der elegante wie praktische Bit-Pokal, kreiert von dem damaligen Rastal-Chefdesigner Hermann Hoffmann, war damit das erste Exclusivglas in Deutschland, das maschinell produziert, wurde und zwar in makelloser Kristallglasausführung. Unverkennbar ist seit 1964 sein facettierter sechskantiger Stiel. Das Design des Kelches sollte die Qualitäten des Bitburger Pils hervorheben. Das Resultat beweist es: Dank seiner konischen Form wird nicht nur eine übermäßige Schaumbildung beim Einfüllen verhindert, auch der Kontakt mit Sauerstoff wird reduziert, was die Frische erhält. Weil die Verjüngung des Glases überdies den Schaum nach oben presst und verdichtet, was in einer perfekten Schaumkrone gipfelt, sprach man damals vom Bit-Pokal als einem sinnlichen Gesamtkunstwerk. Mit kleinen Modifikationen, für den Konsumenten kaum bemerkbar, findet das Glas seither seine Verwendung in der Gastronomie und verleiht der Marke Bitburger ihr unverwechselbares Aussehen. Weitere Brauereien ließen sich ebenfalls von dem Konzept überzeugen, so dass auch sie nach kurzer Zeit mit einem eigenen Exclusivglas von Rastal in der Gastronomie Furore machten.

 
Brains

Eine Idee geht um die Welt

Rastal ist heute eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich Glasdesign, Glasproduktion und Glasdekoration. Ausgezeichnet mit vielen internationalen Design-Preisen steht das Familienunternehmen Rastal seit fast 100 Jahren der Brauwirtschaft als kompetenter und hochgeschätzter Partner zur Seite, wenn es darum geht, Marken durch attraktive Gläser in Szene zu setzen. Ausdruck dieser engen Partnerschaft ist das von Rastal entwickelte Exclusivglas-Konzept, welches alle namhaften Getränkehersteller zu einem wichtigen Baustein ihrer Marketingstrategien gemacht haben. Dies belegt allein schon die Zahl von jährlich etwa 100 Millionen Gläsern, die Rastal vom Standort Höhr-Grenzhausen in 90 Länder vertreibt.

„In enger Zusammenarbeit mit seinen Kunden entwickelt Rastal maßgeschneiderte Lösungen, wobei es keine Rolle spielt, ob sie bereits eine sehr spezielle Vorstellung von ihrem Glas haben oder nur eine vage Idee. Unsere Fachleute beraten sie hinsichtlich Design, Dekor, Herstellungsverfahren und Qualitätsanforderung“, sagt Carsten Kehrein, seit 2001 Chefdesigner Exclusivgläser bei Rastal. Mittels der kontinuierlichen Weiterentwicklung von Techniken und Technologien gilt Rastal heute als der Technologieführer in seiner Branche.

Darüber hinaus betrachtet Rastal es als Erfolg, frühzeitig in die UV-Technologie investiert zu haben, denn nun können langlebige Dekore direkt auf Gläser appliziert werden, ohne wie früher gebrannt zu werden. Damit trägt Rastal auch dem stärker verbreiteten Umweltgedanken und der gesteigerten Ressourceneffektivität Rechnung, weil der hohe Energieeinsatz beim Brennvorgang entfällt.

Obwohl zwischenzeitlich eine fast unüberschaubare Anzahl von Exclusivgläsern von Rastal hergestellt wurde, kann man im Rückblick dennoch eine Konstante im Design erkennen: Alle Glasformen verbinden bierspezifische funktionale Elemente mit markenspezifischen unter dem Primat der Sensorik. Das gilt weltweit. So erinnert das Glas der walisischen Regional-Brauerei Brains zwar an das klassische britische Pint-Glas, doch das geschwungene Relief am unteren Ende des Glases setzt eine eigene Note. Es symbolisiert einen Drachenschwanz, der ebenfalls auf den Flaschen-Etiketten von Brains erscheint und unverkennbar auf den Drachen als Wappentier in der walisischen Flagge verweist.

 
Kuchlbauer

Gleiches gilt auch für das Exclusivglas der Weißbierbrauerei Kuchlbauer aus dem Hopfenanbaugebiet Hallertau. Seine extravagante Form lehnt sich offenkundig an das Wahrzeichen der Brauerei an – den von dem weltbekannten Künstler Friedensreich Hundertwasser entworfenen Turm, der mit seinen runden Formen und organischen Linien ein weithin sichtbares architektonisches Zeichen setzt -, doch es ist eben auch ein Weißbierglas, dessen hohe schlanke Form es den Kohlensäureperlen erlaubt, lange durch das Getränk nach oben zu steigen, wodurch sich das Bier seine Frische und Spritzigkeit erhält.


Ein Prosit den Craft Bieren

Ohne Zweifel erleben wir im Moment einen Bewusstseinswandel. Der Trend geht weg vom Durstlöscher hin zum aroma- und charakterstarken Bier. Es verfestigt sich die Wahrnehmung von Bier als einem hochwertigen Produkt. Zu verdanken haben wir dies den amerikanischen Craft Bieren, die längst in Europa und Japan ihre Nachahmer gefunden haben. In Deutschland bezeichnet man diese Biere gerne als Edelbiere, Gourmetbiere oder Manufakturbiere. Egal, welchen Namen man diesen Bieren gibt, sie zeichnen sich durch eine breite und teils untypische Geschmacksvielfalt aus aufgrund neuartiger und ungewöhnlicher Braumethoden. Häufig handelt sich dabei um veritable Bierspezialitäten oder Saisonbiere, die es nur in limitierter Auflage gibt. Auf jeden Fall bieten diese Biere einen besonderen Genuss. Und der verlangt, ähnlich wie beim Wein, nach einem ganz individuellen Glas.

Um diesen Bieren zu einem fulminanten Auftritt zu verhelfen, hat Rastal zunächst einige generische Glastypen entwickelt, die individuell dekoriert werden können. Als besonders populär und vielseitig einsetzbar hat sich dabei der Teku-Pokal erwiesen, der sowohl als Degustationsglas wie als Bierglas verwendet werden kann. Der langstielige Teku-Pokal entstand aus der Zusammenarbeit mit dem bekannten italienischen Craft Brewer und Gründer von Birra Baladin, Teo Musso. Unübersehbar sind die stilistischen Anleihen bei einem Rotweinglas. Anders aber als bei einem Weinglas ist beim Teku-Pokal der Rand nach außen gewölbt. Dadurch können sich die besonderen Bieraromen besser entfalten.

 
Teku

Als der Teku-Pokal 2010 präsentiert wurde, sorgte er für Erstaunen, das sich jedoch schnell in Begeisterung wandelte, denn zwischenzeitlich wird er von vielen Craft Bierbrauern weltweit eingesetzt und dient u.a. der Münchner Biermesse Braukunst Live! als Festivalglas. Wie schon in der Vergangenheit oft der Fall, hat das generische Teku-Glas sofort einige Brauer veranlasst, sich ein Exclusivglas von Rastal kreieren zu lassen, das sich explizit darauf bezieht. Die ersten waren interessanterweise die Trappistenmönche vom österreichischen Stift Engelszell, deren Brauerei erst 2012 in Betrieb genommen wurde.

Vor 50 Jahren hatte Hermann Hoffmann eine geniale Idee: dass die Form eines Glases den Trinkgenuss steigern kann. Dass diese Idee sich durchsetzen konnte, muss der Design-Kompetenz von Rastal zugeschrieben werden. Denn im Prinzip gilt es bei jedem Entwurf die gleichen Parameter zu beachten: eine brauchbare Öffnung, ein standfester Bodenbereich und ein definierter Inhalt. Schon beachtlich, dass man bei diesen präzisen Vorgaben dennoch immer wieder etwas Neues schaffen kann. Die lange Kundenliste von Rastal beweist es.